Illustration für Blogpost auf henrikjungaberle.com aus PETRA Mai 2005 (Interview mit Dr. Henrik Jungaberle)

method #2: Explorative Filmarbeit | Teil A: Hintergründe

Die Flut der Bilder … oder: Verstehen statt zuschauen!

„Ein Film ist kein erstarrtes ‚Werk‘, sondern eine formbare, eine bewegliche Skulptur, die man erforschen und in jedem Moment neu erfinden kann“

„Explorative Filmarbeit“ ist eine Methode, die wir in FINDER Weitebildungen vermitteln. Man kann sie mit Erwachsenen und Jugendlichen, in Schule und vielen anderen Kontexten durchführen. Ziel ist es, in den Film einzutauchen, Hintergründe zu erfassen, gewissermaßen „hinter die Kamera zu kommen“.
Unsere Kultur kommuniziert mehr als jede zuvor mit Bildern: die Flut der analogen und digitalen Farben, der unaufhörliche Fluss von Formen und Bewegungen (nicht nur auf YouTube), die scheinbare Statik des Bildes an Häuserwänden, Werbetafeln, Zeitschriften und Zeitungen. Das „begreifbare“ Bild auf Touch-Screens. Die Liste liese sich fortsetzen. Seit den 1990ern wird lauter vom Visual turn oder Iconic turn gesprochen, wird verstanden und zu verstehen versucht, dass und wie wir nicht nur mit Sprache denken und kommunizieren, sondern „bildhaft“. Weiterlesen

Blogpost-Illustration von Dr. Henrik Jungaberle

method #1: Wortwahl | Gib deinem Buch einen ordentlichen Namen!

Ich wurde kürzlich im Rahmen eines Interview gefragt, wie wir den Titel unseres neuen Sachbuches „High Sein“ denn meinten. Die Journalistin hegte offensichtlich den Verdacht, dieser sei die unverblümte Aufforderung, sich jene Drogen einzuverleiben, von denen in dem Buch aufklärerisch die Rede ist. Eine ernstlich interessante Vorstellung. Ich führte sie im Geiste gleich weiter aus und vergegenwärtigte mir den schändlichen Aufforderungscharakter wichtiger Werke der Weltliteratur. Gesundheitlich harmlos, wenn auch für feine Nasen ungebührlich, schien mir Rita Falks Anleitung zu einem „Sauerkrautkoma“. Weiterlesen

Picture from the book "HighSein. Ein Aufklärungsbuch". Maybe depicting freedom of thought and thinking?

Frisch gedruckt: „HighSein. Das Aufklärungsbuch“

Aufklärung heißt Neugier schaffen auf ein glücklich(er)es Leben

»Haschisch erweitert Ihr Bewusstsein – aber nur, wenn Sie vorher eines hatten!«

Harald Schmidt (*1957), Moderator und Entertainer

Ende März 2015 ist unser neues Buch „HighSein. Ein Aufklärungsbuch“ im Rogner & Bernhard-Verlag erschienen, das ich zusammen mit Jörg Böckem und den beiden Spiegel-Jungautoren-Preisträgern Immanuel Jork und Julia Kluttig geschrieben habe. Es ist mein erstes Sachbuch: andere Denkweise, andere Sprache als wissenschaftliche Texte. Eine spannende Schreiberfahrung, ein ungewöhliches Leseerlebnis: Man muss sich wohl öffnen für die Möglichkeit, etwas Neues zum Thema psychoaktive Substanzen zu erfahren. Wie im Gebiet der Pädagogik ist das nicht selbstverständlich. Jeder glaubt, hier schon alles zu wissen (weil wir ja alle in der Schule waren und alle schon mal jemanden kannten, der … ja, sprechen wir’s aus nicht gut mit „Highs“ umgegangen ist. Immer nur: nicht gut. Und was ist mit dem Rest der Menschheit?). Und deshalb wird die Welt hier noch leichter in klischeehafte Schubladen eingeteilt als sowieso schon: hier die Vorsichtigen, die Risikosucher, die Kranken, die Hedonisten, die Drogenverherrlicher, die Langweiler und so weiter. „Aufklärung“ ist aber schon immer Provokation: „Hole etwas aus dir heraus, von dem du vielleicht nicht einmal ahntest, dass es existiert“ – eine neue Idee, Haltung, Handlung.

Weltweit passiert hier etwas auf dem Gebiet der Alkohol- und Drogenpolitik (Beispiel: die Global Commission on Drug Policy). Die prohibitionistische Grundidee wird hinterfragt, weil sich ihre gesellschaftlichen und gesundheitlichen Nebenwirkungen als dramatischer herausstellen, als man lange zu akzeptieren geneigt war. Auch die Idee, dass Drogengebrauch automatisch zu Krankheiten führt wird zunehmend als falsch erkannt, wobei es ein kultureller Fortschritt ist, dass wirklich Kranke nicht mehr als verabscheuungswürdige Unmenschen behandelt werden. Allerdings längst nicht überall auf der Welt: wir singen hier das hohe Lied auf Europa. Eigentlich sind es zwei Bücher: die in Fragmenten über das Buch verteilten Lebensgeschichte von Menschen, die zu irgendeiner Zeit mit psychoaktiven Substanzen in Kontakt kamen und selbst erzählen, was gut, was schlecht, was dumm war, was sie als heilsam empfanden. Andererseits aber auch Fakten und Geschichten aus der Welt der Wissenschaft und Politik. Das ganze durch Infografiken, Fotos und eine Zitatsammlung aufbereitet. Ich werde in den nächsten Wochen auch zu Themen aus dem Buch bloggen und nehme die Veröffentlichung als Startschuß für regelmäßige Beiträge, die ich teilweise mit FINDER, der gemeinnützigen Human Development Organisation teile, mit der ich arbeite.

Neuigkeiten zum Buch auf www.facebook.com/highsein