Was ist eigentlich ein „integrativer Umgang“ mit psychoaktiven Substanzen?

Integrität, Integration und Rausch: geht das zusammen? Natürlich, wir sollten nur anfangen unaufgeregt und ehrlich darüber zu reden.
Zu unserem Forschungsprogramm in FINDER gehört es, „integrative Formen“ des Substanzkonsums zu beschreiben. In einem Gastbeitrag auf ZEIT Online habe ich kürzlich geschrieben, dass „kontrollierte Formen“ des Umgangs mit psychoaktiven Substanzen – neben problematischen und abhängigen – weit verbreitet sind. Ja, aber kontrolliert heißt eben vor allem „nicht-abhängig“, das sagt noch wenig über deren Nutzen und Qualität.
Hier eine Arbeitsdefinition von „integrativem Gebrauch von psychoaktiven Substanzen“.

Definition

Integrativer Gebrauch einer psychoaktiven Substanz ist ein langfristiger, nutzbringender Gebrauch, der die Befähigungen eines Menschen erhält oder verbessert.
Bei dieser Art von Gebrauch sollen die Veränderten Bewusstseinszustände intentional dazu genutzt werden, um ein Individuum oder das soziale Leben einer Gruppe zu verbessern, zu entwickeln oder zu heilen.

Daraus ergeben sich eine Reihe offener Fragen:
Was ist integration?
Was heißt langristig?
Wer sagt eigentlich, was nutzbringend ist?
Bei welchen psychoaktiven Substanzen ist das möglich oder wahrscheinlich?
Was sind Befähigungen?
… mehr dazu in den nächsten Wochen.

Weiterführende Literatur für wissenschaftlich interessierte Leser

Schippers, G. M., & Cramer, E. (2002). Kontrollierter Gebrauch von Heroin und Kokain. Suchttherapie, 3(2), 71–80. doi:10.1055/s-2002-28491

Fiorentine, R., & Hillhouse, M. P. (2003). Replicating the Addicted-Self Model of recovery. Addictive Behaviors, 28(6), 1063–1080. doi:http://dx.doi.org/10.1016/S0306-4603(02)00231-9

Kolte, B., & Schmidt-Semisch, H. (2005). Kontrollierter Drogenkonsum: Ein prekäres Paradigma? In A. Legnaro  Schmieder, A. (Ed.), Kontrollierter Drogenkonsum – Drogenkonsum als Lebenskontrolle, Jahrbuch Suchtforschung, Bd.5. Münster, Hamburg, London: LIT Verlag.

Jungaberle, H. (2006). Rituale und Integrationskompetenz beim Gebrauch psychoaktiver Substanzen. In H. Jungaberle, R. Verres, & F. DuBois (Eds.), Rituale erneuern – Ritualdynamik und Grenzerfahrung in interdisziplinärer Perspektive. Gießen: Psychosozial Verlag.

http://henrikjungaberle.com/2015/06/11/fortschritte-in-der-drogenpolitik-und-suchtmedizin-kontrolle-beim-drogengebrauch-ist-gut-aber-genugt-das/

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