Der Jenke-Kater: Was passiert, wenn man Drogen vor der Kamera nimmt (RTL-Blogpost 2/3)

Jenke von Willmsdorfs Drogen-Sendung: mehr wirr als erhellend

„Wer sich nicht in Gefahr begibt, kommt darin um.“

Herbert Achternbusch (*1938), dt. Filmemacher und Schriftsteller

Am Mo, den 05.09.2016 um 21.15 Uhr hat RTL die Folge „Das Jenke Experiment: Drogen“ erstmals ausgestrahlt. Der Fernsehjournalist Jenke von Wilmsdorff wird von der Kamera dabei begleitet, wie er verschiedene psychoaktive Substanzen zu sich nimmt (Ecstasy/in Wirklichkeit wohl MDAI, Ritalin, KO-Tropfen mit einem Benzodiazepin-ähnlichen Wirkstoff und LSD). Ich begleitete in der Sendung Jenkes LSD-Experiment gemeinsam mit Prof. Volker Auwärter als Trip-Sitter. Zusätzlich durchläuft der Schauspieler und Reporter ein drogenfreies Atem-Experiment unter Leitung von Andrea Zeuch und mir selbst. Ziel seiner Experimente ist es (neben der Quote), gesellschaftliche Reizthemen zu enttabuisieren und zu einer unvoreingenommenen Diskussion beizutragen. Ich persönlich glaube allerdings, dass die Sendung weit unter ihren Möglichkeiten geblieben ist. Da wäre viel mehr drin gewesen: mit Jenkes herausragender Fähigkeit sich auf die unterschiedlichsten Personen und Themen einzulassen und diese „von innen“ zu erkunden, hätte es gelingen können, unter der Oberfläche zu kratzen. Ich berichte hier ein wenig von meinem persönlichen Jenke-Kater.

LSD Info ganz High sein Henrik Jungaberle Jörg Böckem

LSD Infoblatt aus „High sein. Ein Aufklärungsbuch“ von Jörg Böckem und Henrik Jungaberle (2015)

Die Sendung „Das Jenke Experiment: Drogen“ ist als Ganzes leider weitgehend schief gegangen. Das haben Experimente manchmal so an sich. Schiefgegangen sind aber nicht unbedingt die (allerdings viel zu zahlreichen) Einzel-Experimente, sondern deren journalistische Verarbeitung. Der Schnitt bringt Unvereinbares zusammen und tilgt Wichtiges. Und die Zusammenhänge des Gezeigten gingen oft verloren oder wurden gar nicht erst gesucht.
Ich glaube an den Wert des Selbstexperiments. In Wissenschaft und auch im Journalismus. Jenke von Wilmsdorff selbst hat hier schon Ansehliches geleistet, auch in seinen Alkohol- und Cannabis-Experimenten. Ein Experiment gelingt aber nicht in der nackten, unvorbereiteten Erfahrung, sondern im Aufbau, in der Reflexion, in der Darstellung. Es braucht einen Plan. Es fehlt in der „Drogen“-Sendung ein Bogen, ein roter Faden, mit dem das komplexe Thema verständlich wird. Der Erkenntnisgewinn bleibt deshalb tatsächlich  gering.
Was wir gestern gesehen haben war eine teils wirre Aneinanderreihung emotionalisierender Szenen. Es ging vorgeblich um „harte“ Drogen, aber die Sendung war journalistisch weichgesspült und verlief sich im Ganzen dann ins Unkritische:

  • arm an Fakten (wir erfahren nichts über die Relevanz der angeblichen „Alltagsdrogen“, keine Statistik, keine Vergleiche, am Ende die fast aussagelose Zahl der Drogentoten – nicht einmal in Relation zu Alkohol, Cannabis, Autofahren oder Gleitschirmfliegen gesetzt. Oder zu den 2000-4000 Aspirintoten jährlich)
  • mit Fehldarstellungen. Beispiel: das angebliche Ecstasy-Experiment war ja laut der im Fernsehen hörbaren Aussage des Toxikologen Prof. Dr. Auswärter nicht MDMA (der eigentliche Wirkstoff von „Ecstasy“), sondern MDAI. Das ist vor allem deshalb relevant, weil die genannte Dosis von 250 mg für einen MDMA-Trip bereits hoch bis sehr hoch wäre. Solche Fehler gibt es einige.
  • zusammenhanglos: Was in Jenkes Cannabis-Experiment noch ein hin- und herspringen zwischen Gebrauchskontexten und politischen Aussagen, zwischen rekreationalen Usern und Abhängigen war, wird in der Drogen-Sendung zum labyrinthischen Herumspazieren in der Welt der Drogen. Wie kommen wir vom LSD-Experiment zu den KO-Tropfen? Wohl nur über die Logik der abschreckenden Assoziation.
  • klischeehaft: dass es Sucht gibt, dass sie ernst zu nehmen ist, dass man von Drogen sterben kann, dass andere daran leiden (auch Babys). Ja, das wussten wir. Und es muss auch immer wieder gesagt werden. Aber am besten so, dass wir mehr als einen Quoten-Effekt erreichen. Wir müssen ja etwas mit den Informationen machen (können): Politik verbessern, Therapie optimieren, mit unseren Kindern reden, für Prävention eintreten und auch die Konsumierenden respektvoll unterstützen, damit sie keine Patienten werden. Da reicht der Voyeurismus nicht. Und wir sollten die Jugendbeauftragten der TV-Sender mit Fakten aufklären können, so dass sie von der Idee abkommen, möglichst viel Drogen-Drama, Drogen-Tod und Sucht würde optimal viele Menschen abschrecken. Dem ist nicht so. Dazu gibt es sogar Wissenschaft.
  • pauschalisierend: was kritischer Drogen-Journalismus leisten muss: differenzieren zwischen Substanzen, Motiven, Kontexten und Gebrauchsmustern, dem Einfluss von Politik und Medien, den Verzerrungen der einzelnen Drogen-Konsumenten und ihrer „Szenen“: „Nicht die Droge ist’s, der Mensch“ lautet ein Schlagwort. Hier wurden allerdings wieder die unterschiedlichsten Substanzen zu einer diffusen Masse zusammengerüht: „die Drogen“. Eine Kindergeschichte wurde uns erzählt. Ja, Jenke: leider „so ein Psycho-Scheiß“.

Ich kannte die Sendung „Das Jenke Experiment“ bis vor Kurzem nicht. Als Jenke von Wilmsdorfs Redaktion im letzten Dezember nachfragt, ob ich willens und in der Lage sei, Jenke bei einer LSD-Erfahrung zu begleiten, habe ich gründlich überlegt. „RTL ist nicht ARTE“ sagten Kollegen (aha!) und: „Das wird eine geistlose Selbstinszenierung“ (fand ich bisher nicht) oder „Experimente genügen nicht als journalistisches Konzept, das wird flach und klischeehaft“ (Experimente genügen nicht, ja) meinten andere. Wenn ich das Ergebnis nun betrachte herrscht bei mir selbst Kater-Stimmung vor. Jenke von Willmsdorf ist ein empathischer und kluger Journalists, ein interessanter Mensch und mutig obendrein. Hier fehlte es aber an Substanz und Fokus.

Interessanterweise ist die Darstellung der Experimente auf den RTL-Websites ausgewogener als im Zusammenhang der Sendung. Hier werden auch Ausschnitte präsentiert, die es nicht mehr in die Sendung schaffen durften: zum Beispiel ein Interview mit dem Kopf der portugiesischen Drogenpolitik, Dr. Joao Goulao. Hier blitzt auf, was in der Sendung zu kurz kommt: Schlussfolgerung, Vergleich, Alternativen, eine Idee, wie wir die Welt durch Politik und Wissenschaft und Teilnahme verbessern könnten.
Auch das LSD-Experiment (hier noch ein weiterer Link) wirkt anders, wenn man nicht in den Verschleierungszusammenhang von KO-Tropfen und Heroin-Therapie stellt (und umgekehrt teilweise auch). Der ist natürlich bewusst gewählt – es darf ja nicht gut sein.
Und unser Atem-Experiment  (hier noch ein weiterer Link) mit Jenke macht ja fast Sinn, wenn man die Begriffe Trance und „High sein ohne Drogen“ in einen Kontext stellt: Was suchen Menschen, wenn sie ihr Bewusstsein verändern möchten? Könnten solche Methoden, wie wir sie hier anwenden, unterstützen beim Umgang mit diesem Bedürfnis nach „Rausch“ und einer Suche nach Selbsterkenntnis, die es eben auch gibt? Ja, sie könnten es.

War Jenke von Wilmsdorff in einem LSD-Rausch gefangen? Nun.

RTL Jenke im LSD Rausch gefangenDie Redaktion war über die Pressereaktionen auf „High sein. Ein Aufklärungsbuch“ (2015 zusammen mit dem Journalisten Jörg Böckem) und unser Buch „Therapie mit Psychoaktiven Substanzen“ (2008) auf mich aufmersam geworden – letzteres hatte ich noch innerhalb eines Forschungsprojekts an der Universität Heidelberg auf den Weg gebracht. Nachdem ich mir dann „Das Jenke Experiment: Cannabis“ angesehen habe, dachte ich: „ja, hier gibt es die Chance über das Thema „Drogen“ aus verschiedenen Blickwinkeln zu berichten“. Genau das war ja in der Cannabis-Sendung gelungen. In diesem Fall muss man allerdings sagen: als Tiger gesprungen, als Bettvorleger gelandet. Nur die Quote stimmte schon: 24%. Das erreichen sonst nur Champions-League-Spiele.

Drug harms

Rangliste der Gefährlichkeit von psychoaktiven Substanzen in „High sein. Ein Aufklärungsbuch“ [nach von van Amsterdam und David Nutt 2015)[2,5]

Jenke stellt sich der als besonders aggressiv geltenden Droge„? Nun, LSD gilt nicht als besonders aggressiv. Dessen Gefahren für die öffentliche Gesundheit sind als vergleichsweise gering einzuschätzen – vor allem in Kontrastierung zu Methamphetamin oder Heroin. Vergleichsweise: das ist ein Fremdwort in der Jenke-Folge über Drogen. Aber nur im Vergleich manchen Risiken Sinn bzw. machen Menschen aus Risiken Sinn. Für den Einzelfall gilt nach wie vor, was ich auch in der Sendung sage: die Folgen eines „Unfalls“ und einer misslungenen Erfahrung können dramatisch sein.

In einer Meta-Studie stellen Teri S. Krebs und Pål-Ørjan Johansen [3] dar, dass es in einer Stichprobe von 21,967 Erwachsenen keine signifikante Verbindung des Gebrauchs von LSD, Meskalin, Peyote, Psilocybin-Pilzen mit „Mental Health-Outcomes“, also psychischen Beeinträchtigungen auf der Bevölkerungsebene gab. Wie alles in der Wissenschaft ist das kein letztes Wort, aber ein gewichtiges, das zur Differenzierung beitragen kann. Auch RTL kann es schaffen, die Gefährlichkeit von Drogen in eine Relation zu setzen – man muss es nur wollen. Und verstehen. Dazu auch die vieldiskutierte Arbeit von David Nutt (siehe Grafik, [2,5]).

Was beim LSD-Experiment wirklich geschah

Ein paar Informationen aus zweiter Hand, die helfen, das Bild des LSD-Experiments zu vertiefen: Jenke nimmt für sein etwa 10stündiges Experiment 200 µg der Substanz Lysersäurediäthylamid (LSD) ein. Er erlebt eine intensive innere Reise mit vorherrschendem Introspektionscharakter. Jenkes LSD-Erfahrung ist weit von einem „Horror-Trip“ entfernt, der nach Jenkes eigenem Voice Over aus der Sendung angeblich drohte. Die zwei emotional schwierigsten Momente aus der Erfahrung, die in der Sendung gezeigt wurden, dauerten einmal zwei Minuten (die Verkennung meiner eigenen Person als sein Sohn wie er in einigen Jahren sein würde) und im Fall von Jenkes Paranoia auf unserem Spaziergang etwa fünf Minuten. Beides war durch das einfache Instrument menschlicher Anteilnahme und Reorientierung auf den Moment gut lösbar – was im Übrigen nicht nur Profis wie Volker Auwärter und ich schaffen, sondern auch gut informierte „Laien“.
In Kontrast zu dem MDAI/“Ecstasy“-Experiment haben wir für Jenke ein Setting gestaltet, das Innenschau und Beobachtung der „psychedelischen“ Phänomene erleichtert. Es sollte nicht noch einmal um Party, viele Menschen und Tanzen gehen, sondern um eine … Reise, ja, Jenke sagt es selbst am Anfang des gesendeten Ausschnitts. Meine eigene Intention war es, diese andere Dimension des Drogengebrauchs, vor allem des Psychedelika-Gebrauchs, für die Sendung zu ergänzen. Das wird weniger deutlich als ich es mir wünsche. Und die in der Sendung weitergeführte Umdeutung von LSD zu einer „Monsterdroge“ hat mit der Anti-LSD-Propaganda der 1960er-Jahre begonnen und sitzt in den Köpfen von Journalisten noch immer fest.

Henrik Jungaberle und Volker Auwärter begleiten Jenke von Wilmsdorffs LSD-Experiment (RTL)

Henrik Jungaberle und Volker Auwärter begleiten Jenke von Wilmsdorffs LSD-Experiment (RTL)

Tatsächlich drehten sich Jenkes Erfahrungen weitestgehend um ästhetische Eindrücke, Einsichten und philosophische Fragen, die kaum Platz in der Sendung fanden. Hier Ausschnitte In meinen Worten aus Notizen und Gedächtnis wiedergegeben:

  • „muss das Leben immer so weitergehen, kann es nicht einfach einmal gut sein?“
  • „muss man alles immer steuern, kann es nicht einfach geschehen?“
  • „die Dinge hängen alle auf eine Art zusammen, die uns sonst verborgen ist“
  • „die Natur ist auf wunderbare Weise miteinander vernetzt“
  • „diese Musik ist gewaltig und komplex, so etwas habe ich noch nie in dieser Art wahrgenommen“

In jedem anderen Setting würde ich das nicht erzählen, aber wir haben ja für die Kamera gedreht.
Und wir Begleiter haben nicht mehr oder weniger getan als die „Alt-Vorderen“ [Nachzulsen in: 4] des verantwortungsvollen Umgangs mit psychedelischen Substanzen seit 60 Jahren empfehlen: wir haben ein bewältigbares Setting gestaltet, Ruhe und Raum für Selbsterkundung und emotionale Katharsis geschaffen. Auch das tun Menschen weltweit – nicht nur in therapeutischen Studien, bei denen LSD dazu eingesetzt wird, die Angst von Sterbenden oder von Menschen zu lindern, die an tödlichen Krankheiten leiden [1]. Nicht nur in bildungsbürgerlichen Schichten.
Ich habe unter anderem Musik von Sigur Rós, Leoš Janáček oder Carbon Based Lifeforms gespielt. Und wir haben Jenkes Aufmerksamkeit ein wenig gelenkt: auf seinen Körper, auf die Bäume, den Himmel, den warmen Boden. Das alles mit dem Ziel, seine Erlebnisfähigkeit zu vertiefen. Klar war auch Jenke auf Bilder für die Sendung aus. Vielleicht hat er auch deshalb seinen Prozess der Innenschau häufig durch erklärendes Reden unterbrochen. Aber auch das hatte Platz:

  • Albernheit und Lachen
  • Euphorie und Wut

Wut bei Jenke habe ich einmal hervorgelockt: er hatte körperliche Schmerzen (von einem Kleidungsstück, wie sich später herausstellte) und ich massierte ihn. Er drückte gegen meine Hände und meinte: „ist das schon alles?“. Ich nahm die „Herausforderung“ an und stellte mich auf seinen Rücken – sanft, so dass er keinen Schaden nehmen würde, aber entschieden. Nach einer Weile, die sowohl Lust als auch Schmerz für ihn beinhaltete, rief er: „Geh runter, du Arschloch“. Ich trat dann nicht nur von seinem Rücken, sondern zog ihn bewusst und aktiv aus dem Liegen in eine sitzende Position (die Momente danach sieht man RTL-Ausschnitt):

  • „in diesem Moment ging das Licht auf, vorher war die Hölle, jetzt fühlte ich mich wie in den Himmel hinaufgezogen“

Es sind diese kleinen metaphorisch-traumhaften Sequenzen, die einen LSD-Trip ausmachen und tatsächlich auch wertvoll für Einsicht und persönliche Entwicklung machen können. Können. Ich hätte mir deren kurzeDarstellung gewünscht. Liebes RTL-Team: es ist möglich, eine Geschichte emotional, packend und mit Tiefe zu erzählen. Im RTL-Schnitt des LSD-Experiments sehen wir weitestgehend die Reduktion auf „Optik“, also visuelle Phänomene und die zwei schwierigen Momente. Man kann den Zuschauern mehr zumuten.

Fazit: Was kommt bei Jenkes Drogen-Sendung eigentlich raus?

HIGH SEIN. Ein Aufklärungsbuch

In eigener Sache: „High sein. Ein Aufklärungsbuch“ – Henrik Jungaberle mit Jörg Böckem.

In meinem ersten Blogpost zur RTL-Sendung habe ich geschrieben:

„Darf ein Journalist Tabus brechen oder gar Gesetze übertreten, um Aufmerksamkeit zu erzeugen und aufzuklären? Kommt drauf an. Auf die Dosis an kritischem Potential vor allem.“

Rausgekommen ist bislang eher, was der SPIEGEL-Journalist Arno Frank so beschreibt: „Hier erprobt er am eigenen Leib gesellschaftliche Phänomene, ohne allzu sehr mit deren Ursachen zu langweilen“ (TV-Experiment auf Ecstasy und LSD: Hammerbreit mit RTL von Arno Frank (SPIEGEL ONLINE Kultur).
Das muss nicht so bleiben. Die Sendung kann aufgearbeitet werden. Und lasst uns alle daran lernen: Journalisten müssen sich auch durch Lektüre vorbereiten, dürfen nicht nur im Gespräch mit Experten (Suchttherapeuten, Toxikologen, Drogenforschern usw.) Informationsschnipsel aufsaugen, die auf ihre Effekt-Fähigkeit hin überprüft und dann zu einem Bildfluss zusammengebaut werden. Klar wußte ich, dass im Schnitt erst die Sendung entsteht, im Zusammensetzen der Bilder und Töne.
Fazit: Diese Sendung war nicht umsonst, aber sie lehrt uns, dass wir mit dem schwierigen Thema Drogen vor allem eines tun sollten: nüchtern bleiben und das Vordergründige von Gesprächen und Aktionen nicht mit der „Realität“ verwechseln. Auch bei dem Versuch, etwas einfach darzustellen, gilt es, die Zusammenhänge herstellen. Beispiel: Welche Rolle spielen eigentlich Drogenpolitik und Schwarzmarkt bei den gezeigten Phänomenen?
Und: Wir brauchen mehr Drogen-Sendungen: vor allem für Journalisten, die lernen wollen, wie man Drogen-Sendungen macht. 19% Quote reicht auch.

Literatur

[1] Gasser P, Holstein D, Michel Y et al (2014) Safety and efficacy of lysergic acid diethylamide-assisted psychotherapy for anxiety associated with life-threatening diseases. J Nerv Ment Dis 202:513–20. doi: 10.1097/NMD.000000000000011

[2] Böckem J, Jungaberle H (2015) High sein. Ein Aufklärungsbuch. Rogner & Bernhard, Berlin

[3] Krebs TS, Johansen P-Ø (2013) Psychedelics and mental health: a population study. PLoS One 8:e63972. doi: 10.1371/journal.pone.0063972

[4] Psychedelic Care Publications (2015) The Manual of Psychedelic Support. A practical Guide to Etablishing and Facilitating Care Services at Music Festivals and Other Events.

[5] van Amsterdam J, Nutt D, Phillips L, van den Brink W (2015) European rating of drug harms. J Psychopharmacol 1–6. doi: 10.1177/0269881115581980

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42 Kommentare
  1. P. Liebknecht
    P. Liebknecht says:

    Hallo Herr Jungaberle,

    da kann ich Ihnen nur zustimmen, als ich mir die Sendung anschaute, gingen mir dieselben Gedanken durch den Kopf. Was mich vor allem bei dem „Party-Teil“ aber auch dem Ritalin Experiment gestört hat ist, dass Jenke, bzw. auch das dazugehörige Team sich wohl im Vorfeld nur sehr wenig über die Substanzen informiert hat, welche er da konsumiert, bzw. wird es als normal dargestellt, dass man diese Mengen zu sich nimmt. (Natürlich gibt es leider viel zu viele Jugendliche, welche in solche Konsummuster fallen, das sieht jeder, der am Wochenende auf eine Party geht und jede 30 Minuten dieselben Leute im Klo eine Line ziehen sieht.) Hier wurde dann einfach gesagt, dass es nicht Lohnt zwei Tage zu feiern und danach vier Tage einen Kater zu haben, wo ich definitiv zustimme. Wichtiger hätte ich es gefunden, dabei zu Vermitteln, wie ein risikoärmer Konsum möglich ist. Ich selbst habe auch schon Erfahrung mit MDMA machen dürfen, dabei habe ich mich immer darauf geachtet unter der maximalen Dosis für mein Körpergewicht zu liegen und genügend Flüssigkeit (Wasser und Säfte) zu konsumieren. Zudem wurde auch zu Konsumpausen etc. kein Wort verloren, so würde ich z.B. maximal an vier Abenden im Jahr MDMA in richtiger Dosis konsumieren.

    Auch was das Ritalin angeht (selbst noch nicht getestet und habe es auch nicht vor) wurden 20mg Kapseln verschrieben!? Wie kann so etwas sein, dass solche Dosen verschrieben werden und Jenke am zweiten Tag die Dosis dann auf 40mg erhöht, der er „nur“ Kopfschmerzen hat und alles nicht so klappt wie er es sich gedacht hat.

    Was das LSD („Die Horror-Trip-Droge“) hätte ich mir auch mehr Informationen gewünscht, aus welchen Gründen den ein echter Horror-Trip entstehen könnte und was eigentlich danach (wenn man wieder nüchtern ist) passiert, wenn man einen Horror-Trip hatte. Das kommt in der Sendung leider so rüber, als würde ein Horror-Trip immer bleibende, psychische Schäden mit sich bringen. Ich selbst habe in meinen letzten zwei Jahren mehrere LSD Erfahrungen gehabt (in Bereichen von 80-150µg). Davon hatte ich zwei „Horror-Trips“, von denen einer sehr anstrengend war und durch die veränderte Wahrnehmung sich anfühlte, als dauert der Zustand über Jahre, obwohl sich alles innerhalb von zwei Stunden abgespielt hat. Da es meine erste negative Erfahrung war konnte ich mir auch selbst noch nicht durch Atmung und Lenkung der Gedanken etc. helfen und musste es also durchstehen. (Dazu muss ich sagen, dass ich Aufgrund meiner damaligen Unwissenheit, ca. 8h nach Einnahme des LSD, ca. 50mg Cannabis konsumiert habe, was dann den „Horror-Trip“ ausgelöst hatte.) Als ich wieder nüchtern war und geschlafen hatte, bemerkte ich aber, dass mit in diesem Trip eigentlich nur viele schlechte Eigenschaften und Angewohnheiten durch den Kopf gingen und damit auch alle dazugehörigen, negativen Gefühle, etc. und ich mich dann darauf konzentrieren konnte, an mir zu arbeiten und die Erfahrung in meinen Alltag zu integrieren. Zudem hat mich das ganze Ermutigt, vor allem im Freundeskreis, Leute über Risiken ihres Konsums aufzuklären (Streckmittel, Konsumpausen, Konsummenge, Set und Setting, Mischkonsum, …) und ihnen zu helfen potentielle Gefahren zu minimieren und genau diese Informationen hätte ich mir auch von der Sendung erhofft.

    Liebe Grüße,
    P. Liebknecht

    Antworten
    • Dr. Henrik Jungaberle
      Dr. Henrik Jungaberle says:

      Vielen Dank für die aufrichtige Schilderung ihrer eigenen Erfahrung. Ich habe dem RTL-Team in den Verhandlungen bewusst vorgeschlagen, etwas ANDERES zu machen als „Drogeneinwerfen“, „sich etwas reinziehen“, „die Nacht durchmachen“, „sich wegknallen“ usw.
      Die RTL-Redaktion ist darauf eingegangen und hat dann zurückgezogen als das Team wohl realisiert hat, was wirklich geschieht, wenn man ein wenig Achtsamkeit, (Selbst-)Verantwortung und Fokus in eine solche Erfahrung einbringt.
      Hätte Jenke von Wilmsdorff sich auch noch innerlich vorbereitet und zusätzlich etwas über die Geschichte von Lysergsäurediäthylamid gelesen (beispielsweise in Albert Hofmanns Klassier „LSD – mein Sorgenkind“ – das LSD-Experiment wäre noch bewegender geworden.
      Hier wurde in der endgültigen Darstellung dieser Erfahrung letztlich eine Lüge produziert. Durch die Kontextualisierung in der wirren Aneinanderreihung von Sucht- und Missbrauchsgeschichten. Durch die Auslassungen.
      RTL hat meine Dienste ohne Honorar (und Verständnis der Vorgänge) in Anspruch genommen: dafür gebe ich nun gratis eine wirklich(ere) Geschichte zurück.

      Antworten
    • Chibisuke
      Chibisuke says:

      Ich kann mich dem nur anschliesssen. Auch ich habe praktische erfahrung mit MDMA, LSD und auch weiteren psychdelisch wirkenden substanzen, Wobei meine tatsächlich schlimmste erfahrung eine mit DMT war.

      Ja es stimmt – psychedelika können horrortripps auslösen. Das ist etwas dass man akzeptieren und hin nehmen muss, wenn man sich auf eine solche reise begeben will. Schwierig, und für die psyche gefährlich wird es erst, wenn man dann allerdings es nicht schafft los zu lassen und sich vollkommen von der erfahrung – egal wie unangenehm sie sein mag – treiben zu lassen.

      Psychdelika geben einem nicht immer den trip den man gerne möchte, aber sie geben einem in jedem fall den Trip den man gerade benötigt, Man muss ihnen nur zuhören und es akzeptieren.

      Jeder, wirklich ausnahmslos jeder trip – sogar ein absoluter horror-trip in die „böse dimension“ auf DMT – hat mich vieles gelehrt und mein leben zum positiven verändert.

      In dieser hinsicht finde ich die darstellung von RTL einfach nur einseitig, reisserisch und flach. Das ganze hat Nichtmal bild Niveau, aber ganz ehrlich… nichts anderes was von RTL – dem sender der sogar hunde ermordet nur für die quoten – nicht zu erwarten.

      Antworten
  2. Patrick
    Patrick says:

    Hallo Henrik!

    Ich freue mich darüber, dass Du Dich der Aufklärung zum Thema und zur Klarstellung in Anbetracht der Quotenhascherei durch diese RTL-Sendung annimmst.

    Mich würde etwas mehr Hintergründliches bezüglich des letzten Abschnitts der Sendung („High sein ohne Drogen“) interessieren. Wie genau diese Trance, die wir Zuschauer gesehen haben, ausgelöst worden ist, wurde nicht erwähnt (Stichwort: Holotropes Atmen?). Wenn man bei Google „High ohne Drogen“ eingibt, findet man fast ausschließlich Youtubevideos mit sich bewegenden Mustern, die nach einem gewissen Betrachtungszeitraum zu zwei- bis viersekündigen Pseudohalluzinationen führen.

    Vielleicht kannst Du darüber noch etwas berichten?

    Viele Grüße
    Patrick

    Antworten
    • Dr. Henrik Jungaberle
      Dr. Henrik Jungaberle says:

      Hallo, ich schreibe morgen einen dritten Blogpost zur Sendung, in dem ich das Atem-Experiment, auf RTL „High sein ohne Drogen“ genannt erläutere. Was wirklich passiert ist auch da dann beschrieben … (ok, auch meine Perspektive ist einseitig, aber immerhin nicht durch Quotenhascherei verzerrt).

      Antworten
  3. hans wurst
    hans wurst says:

    Hallo.
    Vielen herzlichen Dank für den Blogpost. Ich war nämlich sehr neugierig, was während des LSD Trips noch so alles passiert ist.
    „In der Sendung werden etwa 10 h Erfahrung auf 9 min Sendezeit geschnitten.“ – das fand ich wirklich schade.

    Ich hatte auch das Gefühl, dass RTL auf Teufel komm raus die LSD Erfahrung unbedingt mit einem Horrortrip in Verbindung bringen wollte. Und aus den zwei „unschönen“ Szenen etwas schlechtes machen wollten. Für außenstehende und Leute die weder LSD Erfahrungen noch Wissen darüber haben, wirkt das natürlich sehr krass und befremdlich, durch RTL noch schön in Szene gebracht.

    Die ganzen philosophischen, spirituellen und emotionalen Aspekte, um die es bei Psychedelica eigentlich geht, wurden garnicht richtig thematisiert.

    Ich würde gerne eine Art Trip-Report von Jenke lesen. Wie er die ganze Sache im nachhinein bewertet und was er zu dieser Geschichte mit dem „Sohn“ sagt. Und ob er das unterm Strich als wichtige/positive Erfahrung sieht (er sagt ja am Ende, dass er die Welt und sich selbst nun etwas besser versteht (Lerneffekt)).

    Ich hätte auch gernen so einen Experten als Trip Sitter. Der mich massiert und meine Gedanken in die gewünschten Richtungen lenkt. Aber bitte keine Diskussionen über Mimosen 😀

    MfG
    Hans

    Antworten
    • Dr. Henrik Jungaberle
      Dr. Henrik Jungaberle says:

      Ganz sicher ging es darum, auf Teufel komm raus das Bild einer Monsterdroge fortzuschreiben. Das Wissen und die Phantasie der Redaktion und des tatsächlich damit befassten Jugendbeauftragten von RTL reichte nicht aus, um Wirklichkeit und Verantwortung (für junge Menschen) in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen.

      Hören wir kurz einen Originalton. Am Morgen nach dem LSD-Experiment kam Jenke von Wilmsdorff gut ausgeschlafen aus seinem Zimmer: „Ich kann nur sagen, das war eine gewaltige Erfahrung. Das darfst du nicht als Jugendlicher machen. Das ist keine Partydroge, das ist nichts um die Stimmung aufzuhellen, das ist nichts um einfach mal Spaß zu haben. Und wenn du bereit dafür bist, du musst wirklich bereit dafür sein, dich intensiv mit dir auseinanderzusetzen … und dann jemanden an deiner Seite haben, der dich begleitet auf dieser Reise, psychologisch echt stützen kann – dann ist das eine hochspannende Erfahrung.“

      Antworten
      • Die Berta
        Die Berta says:

        „Ich kann nur sagen, das war eine gewaltige Erfahrung. Das darfst du nicht als Jugendlicher machen. Das ist keine Partydroge, das ist nichts um die Stimmung aufzuhellen, das ist nichts um einfach mal Spaß zu haben. Und wenn du bereit dafür bist, du musst wirklich bereit dafür sein, dich intensiv mit dir auseinanderzusetzen … und dann jemanden an deiner Seite haben, der dich begleitet auf dieser Reise, psychologisch echt stützen kann – dann ist das eine hochspannende Erfahrung.“
        Schade, dass das nicht mit gezeigt wurde. Eine sehr auf den Punkt gebrachte Aussage ! LSD hat so viel Potential !

        Antworten
        • Dr. Henrik Jungaberle
          Dr. Henrik Jungaberle says:

          Schön, dass es noch mal gesagt wird :-). Ich finde übrigens: Vor allem haben Menschen Potential, LSD kann unter guten Umständen dabei helfen, die Schätze zu heben und den Samen zum Wachsen zu bringen. Andererseits …

          „Nicht alle reisen beim Tanzen, Singen oder Trinken, nur die Höheren. Man muss die Bereitschaft haben und Stolz und Scham verlieren, vom Podest heruntersteigen, auf dem die Leute leben. Wer sein Denken nicht einschläfert, wer sich nicht selbst vergisst, verliert weder seine Eitelkeiten und seinen Hochmut, noch wird er Musik, wenn er singt, Tanz, wenn er tanzt, oder Rausch, wenn er sich berauscht. Der kommt nicht aus seinem Gefängnis heraus, reist nicht, lernt nicht sein Tier kennen und wird auch nicht Geist. Der lebt nicht: er ist Verfall und tot bei lebendigem Leibe. (…) Viele können sich noch so sehr berauschen, nie werden sie selber der Rausch. Auch nicht der Gesang, der Tanz, mögen sie auch laut schreien und mit ihrem Fußgestampfe Funken aus dem Boden schlagen.“
          Mario Vargas Llosa, Tod in den Anden, S. 335

          Antworten
  4. Ringelpiez
    Ringelpiez says:

    Hallo Herr Dr. Jungaberle,

    Ich möchte Ihnen ausdrücklich für Ihre Darstellung des Experiments danken. Ich habe mich beim Anschauen der Sendung wiederholt gefragt, wofür so ein großer medizinischer Aufwand im Vorfeld betrieben wurde, wenn doch im totalen Kontrast dazu die inhaltliche und geistige Vorbereitung auf die einzelnen Substanzen anscheinend so mangelhaft ausgefallen sein muss. Ich kam nicht umhin mich während und nach der Sendung zu fragen, ob man bewusst einzig darauf aus war, Eskalationen und kleine Katastrophen herbeizuführe (ohne Jenke dabei ernsthafter gesundheitlicher Gefahr auszusetzen) um sich in der Anti-Drogenpropaganda, wie ich sie bereits aus Schule und Fernsehen kannte, ein weiteres Mal bestätigt zu sehen und weiter Vorurteile und Ängste in der Gesellschaft zu schüren. Nach Ihren Schilderungen im Blogpost erscheinen mir meine Vermutungen zu den wenig rühmlichen Absichten seitens RTL realistisch. Ich finde es beschämend, dass lieber auf Effekte als auf eine wahrheitsgemäße Darstellung abgezielt wurde. Auf der anderen Seite bin ich froh, dass es der Redaktion dennoch nicht gelungen ist, von Ihrer Objektivität gegenüber des Konsums abzulenken und ich auf diesem Weg auf Ihren Blog aufmerksam geworden bin. Ich stelle mir Ihre Begegnung mit der Redaktion im Nachhinein als sehr frustrierend vor und möchte Ihnen deshalb erst recht dafür danken, dass Sie die LSD-Erfahrung von einer anderen, fruchtbaren Seite beleuchtet haben. Mehrere Facebookgruppen zum Thema Safer Use/Substanzkonsum haben die Sendung mit Entsetzen verfolgt – umso beruhigender, wenn man auf einen Link zu Ihrem Blog verweisen und den Menschen zeigen kann, dass jemand mit fachlichem Hintergrund der Polemik argumentativ überlegen ist.

    Antworten
    • Dr. Henrik Jungaberle
      Dr. Henrik Jungaberle says:

      Danke für den Kommentar: nein, ich finde wir müssen uns diesen Praktiken stellen. Ich fühle mich nicht als Opfer einer dümmlich-strategischen Darstellung, sondern nehme den Ball gerne auf und die Gelegenheit gerne wahr, diesen journalistischen Tiefflug publik zu machen. Ich benutze RTL genauso wie der Sender mich benutzt. Allerdings weiß ich wofür.
      Jenke ist ein guter Mensch, feinfühlig und klug obendrein, aber er hat hier Hirn und Herz der Quote zur Verfügung gestellt. Er ist hauptverantwortlich für das, was am Ende dabei herauskommt.

      Antworten
  5. R. Cufal
    R. Cufal says:

    Wie wahrscheinlich jeder, der sich mit der Thematik sachlich befasst, und Rausch-Erfahrungen eher aus intellektueller und spiritueller Perspektive sucht, statt sie nur wie einen spassigen Rummelplatz-Besuch zu betreiben, war ich am Montag zuerst sehr verärgert, wie weit die Jenke-Sendung hinter den Möglichkeiten zurück blieb – bzw. sogar grobe Verzerrungen offensichtlich bewusst eingebaut wurden.
    Allerdings musste ich mir dann auch schnell eingestehen, dass es naiv war, ausgerechnet von einem Sender wie RTL eine Abkehr von der reisserischen Fixierung auf die Quote zu erhoffen. Man vergisst hier als um Aufklärung bemühter Insider leider sehr schnell WIE weit die Politik, die Medien und auch die breite Bevölkerung noch davon entfernt ist, überhaupt ein Interesse an sachlicher Information zu entwickeln. Es gibt schlichtweg noch keine mehrheitsfähigen Interessengruppen, die das seit den späten 60ern etablierte negative Bild von ‚Rauschgift-Sucht‘ auch nur neutral ausgleichen, geschweige denn auf Positiv umschalten könnten.
    Ich finde Ihre Bemühungen – sowohl Ihre Bücher als auch Ihre Beteiligung an den Reportagen der ZEIT etc. durchaus lobenswert – frage mich aber doch, ob Ihr Fokus, hier noch sehr deutlich auf der gemässigten, sachlichen Seite zu bleiben (die einer Frau Mortler sicher keine schlaflosen Nächte bereitet), wirklich einen Effekt hat gegen solche auf Effekte und Krawall ausgerichteten Formate wie ‚Jenke‘ bei RTL. Hier sehe ich auch Ihren Plan, nächstes Jahr eine eigene TV-Sendung zu machen eher skeptisch. Selbst wenn sie den logistischen Aufwand, den politischen Einfluss und die finanziellen Abhängigkeiten maximal optimistisch bewerten bin ich überzeugt davon, dass breitere Debatten speziell hier in Deutschland nur angestossen werden können, wenn auch die Befürworter-Seite sich hier deutlich klarer am gegenüberliegenden Ende des Spektrums positioniert, und nicht nur ‚harm reduction‘ im Fokus hat. Ob es im Jahr 2016 in einer TV Sendung, die nicht erst um Mitternacht läuft schon möglich ist, als Schwerpunkt zu formulieren: ‚Psychoaktive Substanzen sind etwas GUTES, wenn man sich im richtigen Alter vorher und nachher vernünftig damit auseinandersetzt‘ (etc.) – da habe ich starke Zweifel.
    Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen erreicht Simon Ruane mit seinem entwaffnend amateurhaften und grade deshalb für diese Zielgruppe umso glaubwürdigeren Youtube Kanal sicher bereits auf eine Weise, wie ihnen das selbst unter günstigsten Umständen mit einer allein für sich stehenden TV Sendung kaum möglich sein wird. Und die Generation der über 60jährigen dürfte für einen Meinungswandel eh bereits verloren sein. Stellt sich also die Frage: wie wollen sie in Ihrer speziellen Rolle die massgebliche Gruppe der ca. 30 bis 55jährigen erreichen ?

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  6. max
    max says:

    Nicht viel Text. Aber volle Zustimmung und lieben Dank für den ausführlichen Bericht!
    Und den Einsatz, die Thematik in die Öffentlichkeit zu bringen.

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  7. Andreas Killet
    Andreas Killet says:

    Nicht das es einen großen Unterschied machen würde- zu mindest lassen das einige Erfahrungsberichte vermuten, die ich gelesen habe- aber hat Jenke nicht einen LSD- Abkömmling eingenommen?
    Die Blotter die Jenke eingenommen hat sahen stark wie 1-P LSD Blotter aus, die man ohne sich strafbar zu machen, im Internet kaufen kann. An dem Punkt fände ich es wirklich schön für Klarheit zu sorgen. Mir kommt es nämlich so vor als hätte man nicht nur beim MDMA geschummelt.
    Außerdem wollte ich anmerken das Thilo Mischke sich vor einigen Wochen schon, diesem Thema vor laufenden Kameras angenommen hat. Die Berichterstattung war trotz einiger Schwächen, objektiver und wissenschaftlicher. Zudem gab es am Ende der Sendung noch einen Buchtip für interessierte Zuschauer, „Die Wiederentdeckung des Psychedelischen“. Alles in allem eine rundere Sache, da näher am Thema. .

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    • Dr. Henrik Jungaberle
      Dr. Henrik Jungaberle says:

      Hallo Andreas Killet,
      ich hatte schon mehrere Diskussionen darüber, ob das jetzt LSD-25 oder 1-P-LSD war. Ich verstehe ihre Frage. Trotzdem eine etwas schwierige Fragestellung für mich: ich habe RTL tatsächlich Tips gegeben, wie sie die Substanz aus einigermaßen verlässlicher Quelle besorgen könnten und darauf gehofft, dass weder ich noch RTL sich strafbar machen. Dabei habe ich selbstverständlich auch an 1-P-LSD gedacht, vor allem wegen dessen legaler Situation (die auch in Deutschland bald Vergangenheit sein wird). Allerdings schien es mir nicht richtig, mit 1-P-LSD eine Substanz zu empfehlen, deren phänomenologische Ähnlichkeit (Wirkung) mit LSD zwar von vielen beschrieben wird, zu der es aber keine wissenschaftlich verlässlichen Untersuchungen gibt. Da diese Substanz inzwischen vermutlich 100.000de von Malen konsumiert worden ist, gibt es hinreichende Gründe dafür, sie als gut zu bewältigen und LSD-25 ähnlich zu betrachten (auch in den Nebenwirkungen) – aber wir wissen nix Genaues. Ich konnte vor Ort natürlich keine Proben vornehmen.
      Tut mir leid, so schwammig antworten zu müssen.

      Antworten
      • Andreas Killet
        Andreas Killet says:

        Hallo Herr Jungaberle,
        ich finde es schon schön das sie überhaupt auf meine Frage antworten. Allerdings zeigt mir Ihre Antwort auch wie heikel das Thema immer noch behandelt wird bzw., behandelt werden muß. Schade eigentlich das eine aufgeklärte Gessellschaft es nicht fertig bringt einige einfache Tatsachen ins Leben zu integrieren, um lieber an falschen Vorurteilen festzuhalten.
        Umso mehr schätze ich Ihre Arbeit. Das sie einiges an Erfahrung haben was den Umgang mit veränderten Bewusstseinszuständen angeht, konnte ich aller Meinungsmache zum trotz, der Aufnahme sehr gut entnehmen. In dem Punkt war ich aber auch von Prof. Dr. Auswärter positiv überrascht, weil bei mir der Eindruck entstand, daß er sich ebenso für das psychedelische Bewusstsein, jenseits des Mainstream interessiert.
        Bei mir denke ich, daß es vielleicht auch gut gewesen wäre Jenkes Trip etwas mehr freien Lauf zu lassen. Mischke z. B. nahm seinen Trip auf einer Wiese auf der Gegenstände verstreut waren, Früchte zum probieren, eine Staffelei zum malen etc.. Der Trippsiter war immer anwesend, und hätte im Notfall auch eingreifen können bzw. er hat auch eingegriffen mit klugen Fragen um den Gemütsszustand abzuchecken, oder mit Anregungen was man wohl als nächstes tuen könnte etc.. Die Möglichkeiten einen Trip zu führen und zu gestalten sind vielfältig, vielleicht war es das, was ich nicht unerwähnt lassen wollte.
        Alles in allem haben sie meinen tiefen Respekt verdient, für das was sie trotz der Tabuisierung durch die Gesetzgebung, getan haben, tuen, oder in dieser Richtung noch tuen werden.

        Liebe Grüße
        Andreas

        Antworten
      • Chibisuke
        Chibisuke says:

        In dem zusammenhang würde mich mal interessieren, ob die angegebene dosierung überhuapt gesichert ist? Grade im schwarzmarkt bereich wird da ja gerne geschummelt.

        Einerseits bin ich persönlich bei 200mcg, schon bedeutend mehr in meinem „headspace“ als in dem zusammenschnitt zu sehen. (Ich bin rein physisch gar nicht mehr in der lage rum zu laufen, auf so nem peak). Und andererseits ist meiner ansicht nach 200mcg für einen erst konsum unverantwortlich hoch.

        Antworten
        • Dr. Henrik Jungaberle
          Dr. Henrik Jungaberle says:

          Ja, die beiden Sitter können die angegebene Dosis bestätigen – soweit das in unserer Macht steht.
          Es gibt sehr unterschiedliche Konzepte für eine psychedelische Ersterfahrung mit psychoaktiven Substanzen. Mit Jenke von Wilmsdorff wurden die Vor- und Nachteile geringer, moderater und hoher Dosen besprochen. 200 µg stehen im unteren Bereich einer hohen Dosis.

          Antworten
  8. David Derring
    David Derring says:

    Hallo Dr. Jungaberle,

    dass Sie hier Einiges graderücken was in Jenkes Krawall-Sendung viel zu einseitig dargestellt wurde finde ich sehr gut – dafür uneingeschränkte Zustimmung. Etwas muss ich aber in Bezug auf Ihr ‚High sein ohne Drogen‘ (durch Atemtechnik etc.) Thema kritisieren: jeder klassische ‚psychedelische‘ veränderte Bewusstseinszustand geht mit einer mindestens zeitweisen Änderung der chemischen Prozesse im menschlichen Gehirn einher – da machen auch Atemtechniken, wie die von Ihnen angewendete, die so deutliche Effekte auslösen, keine Ausnahme. Schon Aldous Huxley hat in einem berühmten Vortrag darauf hingewiesen, dass die ganzen verschiedenen Methoden zur Erreichung entsprechender nicht-alltäglicher Geisteszustände (Meditation, Fasten, Isolation, ja sogar Fieber auslösende Infektionen, wie sie in der christlichen Tradition durch Selbstgeisselung verursacht wurden etc.) letztlich alle auf dasselbe hinauslaufen: das Gehirn verarbeitet die Informationen, die ihm die Sinne übermitteln teilweise grundsätzlich anders, und arbeitet auch bei der Verarbeitung von gespeicherten Erinnerungen etc. anders als sonst. Aber das ist, wenn man streng wissenschaftlich bleiben und nicht ins Esoterische abrutschen will, zunächst mal nichts anderes als pure Chemie.
    Worauf ich hinaus will ist, dass es aus meiner Sicht der allgemeinen Diskussion über das Thema ‚Drogen‘ – und speziell der Frage der Liberalisierung und des vernünftigen Umgangs damit – wenig bringt, wenn selbst informierte Fachleute dem Laien suggerieren, dass es die prinzipiell ‚gute‘ Methode (d.h. ohne irgendwelche Stoffe einzunehmen), und die ‚anderen‘, irgendwie schlechteren oder ganz üblen Methoden – eben durch böse ‚Drogen‘ gibt. Es ist ja schon ärgerlich genug, dass die Mehrheit der Leute immer noch glaubt, Alkohol wäre weniger schädlich als Cannabis, oder so ein Stoff wie LSD. Natürlich gibt es Abrenzungen und Unterschiede – aber die liegen eben grade nicht da, wo sie Otto Normal-RTL Kucker festmacht! Ich denke hier müssten Leute wie Sie etwas klarer und ehrlicher sein, auch wenn man damit vielleicht etwas grössere Widerstände in machen Kreisen auslöst.

    viele Grüße
    D. Derring

    Antworten
    • Dr. Henrik Jungaberle
      Dr. Henrik Jungaberle says:

      Lieber David Derling,
      vielen Dank für die Klarstellung.
      Ihr erster Punkt: Ich stimme völlig mit ihnen überein. In meinem dritten Blogpost zur Jenke-Sendung sage ich genau das, was sie hier beschreiben: „… und ist mit der Ausschüttung körpereigener „Drogen“ verbunden.“ Gebongt.
      Es gibt vermutlich keine geistigen Prozesse, die NICHT auf die ein oder andere Weise mit dem Gehirn verbunden sind. Aber das ist eine (seit Jahrhunderten/Jahrzehnten) strittige frage, die in der Erkenntnistheorie und den Neurowissenschaften diskutiert wird.

      Ihr zweiter Punkt: ich schlage gar nicht vor, dass „immersives Atmen“, das Atem-Experiment oder nicht-pharmakologische Methoden per se „besser“ sind als eine (selbst)verantwortungsbewusste Erfahrung mit psychoaktiven Substanzen.
      Die nicht-pharmakologischen Methoden zur Bewusstseinsveränderung haben nur einige Vorteile (und auch Nachteile):
      -/+ sie erfordern von den Menschen echte Anstrengung (wie Sport), man kriegt die Wirkungen nicht „geschenkt“ wie bei pharmakologischen Methoden“
      + die nicht-pharmakologischen Methoden können in der Regel besser abgebrochen werden, aber auch besser in ihrer Intensität reguliert werden
      – es ist komplizierter einen klaren, wiederholbaren Effekt zu erzeugen (und hängt mehr von kulturellen Ideen ab …)
      + sie erzeugen bei häufigem Gebrauch keine Abhängigkeit (Einschränkung: die Psychedelika auch nicht, stellen aber andere Herausforderungen; es gibt übrigens auch oft skurille Fälle von psychischer Psychedelikaabhängigkeit)
      … usw.

      Ich meine: für einige Menschen kommen pharmakologische Methoden zur Bewusstseinsveränderung einfach nicht in Frage: schlechte genetische Voraussetzungen, die zu Psychoseneigung führen oder eine Geschichte von Vulnerabilität (psychischer Verletzbarkeit), die einfach zu ganz schwierigen und negativen Ergebnissen führen kann

      Für Menschen, die drogenerfahren sind, können die nicht-pharmakologischen Methoden, vor allem das „immersive Atmen“ aber eine wesentliche Vertiefung ihrer Erfahrungen erzeugen.

      Also: sie haben einfach recht 🙂

      Antworten
  9. Anna
    Anna says:

    Eine Frage geht mir dennoch nicht aus dem Sinn – war Jenke’s „Horrorerfahrung“ inszeniert, bzw. wurde seine kurzzeitige Paranoia beabsichtigt um zu beweisen wie „schlimm“ LSD nicht ist?? Denn mir kam diese Szene sehr gespielt vor oder besser gesagt mit Absicht hervorgerufen. Denn wäre der ganze Trip harmonisch abgelaufen, hätte man schließlich nichts Negatives darüber zu berichten (was anscheinend das Ziel war).
    Ich erinnere mich an „Thilo Mischke“, Reporter bei Pro7, der genau das gleiche nur zwei, drei Wochen vorher machte: er nahm für seine Dokureihe ebenfalls vor laufenden Kameras LSD, Thilo’s Trip hingegen, war jedoch völlig anders, er war harmonisch ohne auch nur irgendein Anzeichen von Paranoia oder Ähnlichem, so wie 95% der Trips nun mal wirklich ablaufen. Mir kommt es einfach so vor, als hätte RTL Jenke bewusst in seine negative Erfahrung gelenkt. Aber so eine Frage wird wohl kaum beantwortet werden. Nur blöd, das so ziemlich jeder der schon mal LSD genommen hat, weiß, dass LSD in wenigen Fällen so negativ ausartet wie es bei Jenke der Fall war. Und deshalb kam es mir (und all meinen Bekannten) einfach so vor als wäre Jenke bewusst in eine negative Richtung gelenkt. Komischerweise wurde der LSD Trip auch mit dieser Szene beendet, was die Vermutung nur noch mehr verstärkt.

    Ansonsten sehr interessant zu wissen, wie Sie das Experiment wahrgenommen haben, ich teile Ihre Meinung in jeder Hinsicht!

    Antworten
    • Dr. Henrik Jungaberle
      Dr. Henrik Jungaberle says:

      Hallo Anna,
      in gewisser Weise könnte man das so sagen, wie du schreibst, wenn man das, was man in der Endversion von „Das Jenke Experiment: Drogen“ sieht, eine „Horrorerfahrung“ nennt. Schau dir noch mal das LSD-Experiment an: wir sehen einen Mann, der bei Nacht zu Hintergrundmusik, die vermutlich „Kill Bill“ entstammt (?), einen Weg sucht und den Kameramann nach seiner „LSD“-Erfahrung befragt. Der sagt, er hatte eine schlimme Erfahrung in seiner Jugend. Ich habe mit ihm geredet, das war eine schlimme Erfahrung, vielleicht ein „Horrortrip“, weil er wirklich damals keine Ahnung hatte, worauf er sich einlässt und was das soll. Danach entspannte bis heitere Bilder in einem sonnendurchfluteten Raum. Schließlich einen „nature walk“ mit den Ereignissen, die du ansprichst.
      So: Jenke hatte wie von mir beschrieben eine ruhige, heitere und phasenweise tiefe LSD-Erfahrung (http://henrikjungaberle.com/jenke-nimmt-lsd-was-ist-wirklich-passiert/). Das war „harmonisch“, um deine Worte zu benutzen. Die beiden Episoden, die einigen Menschen Angstmachen, dauerten zusammen weniger als fünf Minuten.
      RTL hat Jenke nicht bewusst in eine negative Erfahrung gelenkt, er hatte gar keine negative Erfahrung (womit ich meine: Trip als Ganzes). Siehe seine eigene Beurteilung: ‚Gewaltige Erfahrung, hochspannend‘. Die „harmonischen Stellen“ wurden einfach im Schnitt getilgt.
      Nun das wichtigste an meinem Kommentar: die „schwierigen“ Stellen an einer psychedelischen Erfahrung sind häufig die wichtigsten, im Sinne von Integrationsarbeit, von Lernen, von kritischer Selbstreflexion. Statt Schwieriges auf Teufel komm raus zu vermeiden, geht es darum, sich dem „eigenen Schatten“ zu stellen (eine Metapher). Zumindest, wenn man nicht nur Spaß haben will – und da leistet LSD zuverlässig Folgendes: eine „Denial of Service attack“ (so der Titel eines Vortrags, der kürzlich zum Thema gehalten wurde.

      Antworten
  10. Anonm_Potsdam
    Anonm_Potsdam says:

    Lieber Herr Dr. Jungaberle,

    ich möchte Ihnen auch nochmals danken für die detailliertere Schilderung des LSD Trips und ich stimme Ihnen in vielen Dingen des Posts zu. So ergibt die Reise tatsächlich ein anderes Bild und es wäre wirklich schön gewesen, wenn RTL die Essenz des Trips von Jenke besser eingefangen hätte. Schade, dass diese Information nicht an das breitere Publikum herangetragen wird. Meiner Meinung nach hätte man vor allem Psychedelika aus dem Konzept der Sendung heraus halten müssen, da es zu Beginn doch eigentlich klar war, dass sich der Komplexität insbesondere dieser Substanzen nicht hinreichend gewidmet werden wird (wie auch in den Kommentaren weiter oben erwähnt). Trotzdem finde ich es gut, dass eben auch aufgrund der Quote viele Zuschauer erreicht werden. Aufklärung sozusagen als Nebeneffekt. Hier wurden viel Potenzial verschenkt und offensichtlich auch aufgrund des speziellen Formats der Sendung Tatsachen verdreht, schlimm. Außerdem vorsicht! Bloß keine Verherrlichung oder positive Berichterstattung, die „Medienaufsicht“ wartet schon. Eigentlich lachhaft, denn wenn nunmal auch positive Eigenschaften hervortreten, sollte man das klarstellen und im Kontext diskutieren.

    Ich finde es schlimm, wenn Halluzinogene aus Mangel an Wissen und Erfahrung in einem Atemzug mit völlig andersartigen Drogen genannt werden. Meiner Ansicht nach können gerade Psychedelika einen enormen Beitrag zu unserer Gesellschaft leisten, wie auch immer dieser aussehen mag. Das ist natürlich gefährlich soetwas zu behaupten und die Hippies lassen grüßen. Trotzdem, man könnte die Sache heutzutage anders angehen. Wichtig ist, vor und nach jeder persönlichen Reise den Sinn zu definieren und bei Anfängern einen erfahrenen, vertrauten Begleiter mit Führungsqualität zu haben.
    Danke übrigens für das Posten von Jenkes Zitat, bzw. was er am nächsten Morgen über diese Erfahrung gesagt hat. (Ihre Antwort im Kommentar von „hans wurst am September 7, 2016 um 6:50 pm“). Das habe ich mir schon gedacht und auch das unterstreicht die Andersartigkeit von Halluzinogenen in diesem Kontext.

    Wie Sie vielleicht schon bemerken, bin ich ein Befürworter des verantwortungsbewussten Gebrauchs von Halluzinogenen (Sprich Psilocybin, LSD, DMT, Ayahuasca, Meskalin) im Sinne eines bereichernden Lebens und zur Konfliktbewältigung. Das kann man natürlich auch kritisieren, aber ich sehe da eine potenzielle Richtung für die Zukunft. Innerhalb der „Community“ wird das ja schon seit Jahren, gar Jahrzehnten diskutiert. Wenn man sich informieren will, findet man alle möglichen Berichte, Beispiele, Reports, etc. etc., das Rad wird hier nicht neu erfunden.
    Unsere Gesellschaft ist größtenteils nicht fähig, mit dem Thema Drogen korrekt umzugehen. Das ist aber auch gewollt fürchte ich. Solange keine korrekte Aufklärung und weiterhin ökonomisch-orientierte Bildungspolitik betrieben wird, kommen wir da auch nicht weiter. Alles in allem kann man das gescheiterte Jenke Experiment doch irgendwie als holprigen Schritt in die richtige Richtung sehen, bei dem erstmalig das breite Publikum angesprochen wird. Alleine eine Diskussion ist besser als nichts.

    Viele Grüße,
    Anonym_Potsdam

    Antworten
    • Dr. Henrik Jungaberle
      Dr. Henrik Jungaberle says:

      Danke für den Kommentar!
      Ich habe inzwischen ja klar machen können, dass die Sendung als „Freakshow“ geschnitten wurde, was insbesondere die beiden introspektiven Experimente mit LSD und Atem ganz schön verdreht hat. Auch in meinem VICE/thump-Interview dazu Erläuterndes (https://thump.vice.com/de/article/was-rtl-beim-jenke-experiment-verschwiegen-hat-erklrt-jetzt-der-begleitende-drogenforscher).

      Sie greifen noch ein anderes Thema auf, bei dem ich widersprechen oder ergänzen will. Dass Jenke mit und ohne Henrik Jungaberle und Volker Auwärter LSD konsumiert hätte: klar. Das introspektive Setting kann man auch so noch aus dem Schnitt heraus erkennen. ABER NUN: die Psychedelika haben zwar sehr interessante, ganz eigene Eigenschaften im Vergleich zu den Stimulantien, Opiaten, Sedativa usw. Sie werden von vielen Menschen aber auch erstaunlich „hedonistisch“, erstaunlich wenig „introspektiv“ usw. eingenommen. Hier kommt auch das nicht neue, aber im letzten Jahrzehnt sehr viel verbreitetere Phänomen des Poly-Substanzkonsums ins Spiel (Kombinationen). Erstaunlich viele Psychonauten als auch Party- und Festivalgänger mischen mehrere Substanzen. Dann wird oft ein neues Spiel aus dem Psychedelika-Gebrauch. Beispiele:

      – LSD + MDMA + Cannabis + Alkohol
      – LSD + Kokain (die zwei Toten auf dem jüngsten Boom-Festival haben diese Kombination probiert)
      – LSD + Speed + DMT + Cannabis
      – … und viele weitere Möglichkeiten

      Das kann ganz gut gehen, was mir aus zahlreichen wissenschaftlichen Interviews, Begegnungen, Texten bekannt ist. Oft verwirrt sich mit diesen Mustern über die Zeit aber die ursprüngliche Motivation zum Gebrauch von Psychedelika. Und es kommen zum Erkenntnisinteresse auch klassische Motive hinzu wie „Betäubung“, „Ablenkung“, „Unterhaltung“ …
      Menschen sind ziemlich multi-dimensional 🙂
      Alle Substanzkombinationen machen die Wirkung von psychoaktiven Substanzen noch komplexer: auf der phänomenologischen Ebene (Erfahrung), aber auch pharmakologisch. Wir wissen seeehr wenig über die gesundheitlichen Auswirkungen der meisten Kombinationen (auf das Gehirn usw.)

      Das Thema Prävention und Bildungspolitik ist noch eine andere breitere Diskussion wert. Hier herrscht auch in der „alternativen Therapieszene“, „alternativen Drogenszene“ usw. oft eine rührend naives Bild vor. Beispiel: Als ob eine „Schulfach Drogen“ die Probleme lösen würde. Ich denke dazu sollten wir bald weiterdiskutieren.

      Antworten
  11. Ingrid Maria Schmidt
    Ingrid Maria Schmidt says:

    Danke Henrik für Deine Aufklärungsarbeit und Bemühungen um die Richtigstellung dieses wichtigen, aber,wie jetzt wieder gesehen, verkannten Themas der psychedelischen Erfahrungen. Ich bin aber froh über Deinen Kommentar zur RTL-Sendung – stimme dem vollkommen zu. Bin mir allerdings nicht sicher, ob das Thema überhaupt bei den öffentlichen Medien gut aufgehoben sein kann, ob da vielleicht andere Wege gefunden werden wollen. Ganz besonders ist mir u.a. die unpassende grobe, reißerische Wortwahl bei der Berichterstattung negativ aufgefallen – mir ist übel geworden davon, besonders da ich aus eigener bereichernder Erfahrung mit LSD, MDMA, Meskalin, Ayauasca und dem Atem im therapeutischen Setting um die Selbst- und Welt-Erkenntnis-fördernde, tiefe heilende, sogar „heilige“ Wirkung weiß und noch heute fast 30 Jahre später dankbar bin, dass ich diese gut begleiteten Erfahrungen mit Substanzen (in diesem Zusammenhang mag ich das Wort Drogen nicht) machen durfte. Mir war am Ende dieser „Phase“ bewusst, dass ich so viele gute Erfahrungs- und Erkenntnis-Geschenke bekommen hatte, dass es an der Zeit sei, all das so gut wie möglich in meinem Leben umzusetzen und zu leben ohne weiter Substanzen zu nehmen.
    Leider hat RTL die Chance vertan, gute Aufklärungsarbeit zu leisten und ich hätte sehr schnell abgeschaltet, wenn ich nicht von Deiner Arbeit an diesem Projekt gewusst hätte.
    Herzliche Grüße
    Ingrid Maria

    Antworten
  12. Ingrid Maria Schmidt
    Ingrid Maria Schmidt says:

    hier noch ergänzende Überlegungen:
    Zum erklärenden vielen Reden von J. vermute ich weniger die Absicht „Bilder für die Sendung“ als vielmehr ein häufig auftretendes Abwehrverhalten gegen die eigene Tiefe und eigene vergrabene heftige Emotionen und gegen das „Aufgeben“ der Kontrolle des Verstandes über den Fluss des Geschehens in so einem Prozess. J. konnte schlicht und einfach manchmal nicht loslassen, sich nur schwer auf das „Nicht zu Wissende“ einlassen. Dies ist aber in dem vorhandenen Kontext auch nur zu verständlich – Kameras, RTL-Auftraggeber….
    Vielleicht ist so ein Prozess vor Kameras gar nicht in seiner ganzen Tiefe wirklich möglich ? – da eine der Rahmenbedingungen eigentlich ein vollkommen sicherer Raum ist – und Kameras und Zuschauer (außer Begleiter) tragen nicht zur Sicherheit bei, sondern schaffen Lücken.
    So widersprechen die Rahmenbedingungen (Kameras, TV-Zuschauer, bearbeitende RTL-Journalisten, Absichten von RTL…) von Anfang an dem eigentlichen Ziel – u.a. zu zeigen, was mit Substanzen auf positive, lebensbereichernde Weise möglich ist. Das Arbeits-„Feld“ ist ein Anderes ohne Kameras und Berichterstattung. Sprich: Der Einfluss des Gesamtfeldes zeigt hier Wirkung.
    Trotzdem war es von J. und von Euch mutig, zu diesem Experiment anzutreten und Denkanstöße zu geben.
    Doch trifft die Bezeichnung „Journalistischer Tiefflug“ für die Berichterstattung leider absolut zu.

    Ingrid Maria

    Antworten
    • Dr. Henrik Jungaberle
      Dr. Henrik Jungaberle says:

      Hallo,
      danke für die Reflexionen, die ich weitgehend teile.
      Und, dass die Kamera herausfordernd ist: auf jeden Fall. Dass sie Tiefe unmöglich macht: nein. Das „Feld“ ist entscheidend, ja.

      Ich habe durch die Beschäftigung mit „Drogen“ (und Drug Education) auf YouTube, „Das Jenke Experiment“ und wissenschaftlichen Arbeiten ein neues Forschungsinteresse entdeckt: das Selbstexperiment und die öffentliche Darstellung von Drogen, insbesondere vor laufender Kamera.
      Es gibt ja ein kulturgeschichtlich neues Phänomen: dass Menschen vor laufender Kamera psychoaktive Substanzen zu sich nehmen und das zum Beispiel auf YouTube präsentieren (oder in TV-Sendungen). Spannend, erschreckend, ermunternd, radikal, interessant.

      Welche Wirkungen hat das auf wen?
      Wer schaut sich das an und für welche Altersgruppen, Persönlichkeitstypen etc. ist das positiv oder negativ oder neutral?
      – …?

      Wichtiges Thema, oder?

      Antworten
      • Ingrid Maria Schmidt
        Ingrid Maria Schmidt says:

        Ohne Frage !
        Danke für die Antwort.
        Das sind wichtige Aspekte, die ich so noch nicht im Blick hatte, weil nicht soviel im Netz unterwegs.

        Antworten
  13. Turgay Kula
    Turgay Kula says:

    Hallo Henrik,
    obwohl ich des öfteren die Gelegenheit hatte, habe ich bisher noch nie aus folgenden Gründen LSD konsumiert. Erfahrungen mit THC, XTC, Amph., und Kokain habe ich bereits gesammelt, aber natürlich vor jeder Droge habe ich mich vorher ausführlich Informiert (Wissenschaftliche Berichte und längere Gespräche mit Konsumenten)

    Vor keiner Droge habe ich durch Recherche im Vorfeld -mehr Respekt als vor LSD. Ich habe seit ca. 1 Jahr ein LSD Ticket (180-200 µg), welches ich aus neugier und Interesse einmal einnehmen möchte, und das aber NICHT auf einer Party etc. habe eigentlich gedacht, mein bester Freund, der eines an Erfahrung mit LSD hat, und Ich zusammen bei mir zuhause Nachts auf dem Balkon bzw. auch drinnen, während meine Freundin (nüchtern) sich ebenfalls in der Wohnung aufhält.

    Jetzt zu meinem eigentlicher Sorge. Ich denke für jeden unerfahrenen, aufgeklärten Erstkonsumenten bzgl. LSD eine der wichtigsten Sorgen bzw. Ängste.

    1. Wann bin ich bereit?
    2. Worauf ist zu achten für eine angenehme Reise?
    3. Ist meine Psyche stark genug um die Halluzinationen bzw. auch jede art von Trips anschließend zu verarbeiten ohne folgende negative Bewusstseinsveränderungen. (ugs. Hängen bleiben)
    4.Spielen persönliche Situationen bzw. Gefühlslagen eine Rolle für div. Richtungen eines Trips?
    (Horrortrip) wenn ja, welche? Location? Umfeld (nur mit vertraute Personen?) Beziehungsprobleme (Fam., Freund/in,) Finanzprob, Probleme auf der Arbeit /in der Schule……)

    Gerade aus Respekt und etwas Angst vor LSD ist es mir wichtig den perfekten Zeitpunkt zu nutzen. Leider konnte ich in der Reportage gar nichts darüber finden (Wäre ja dann auch sonst eine objektive Aufklärungsreportage statt eine Freakshow wie RTL es wollte :).

    Und was meint man damit genau wen man sagt „Hängen geblieben“
    Wie kann ich mir sowas vorstellen? Wird derjenige DUMM (unlogische Denkweise)? Wird er wieder eines Tages der alte sein? Ist es Ihnen selbst bewusst, dass da was schief gelaufen ist oder sind sie der Überzeugung, dass mit den anderen etwas nicht stimmt?

    Ich meine damit, ich kenne einen „ehem. guter Freund“ der seit seinen LSD Erfahrungen nicht mehr der alte ist d.h. ich wäre mit ihm heute keine Freunde mehr geworden. Seine persönliche Art,die Denkweise, der Humor und die Ansicht ist mittlerweile gar nicht mit meiner über einstimmig. Seit etwa 5 Jahren, ich glaube es wird auch nie mehr so wie es war, oder?

    Mit besten Grüßen

    T. Kula

    Antworten
    • Dr. Henrik Jungaberle
      Dr. Henrik Jungaberle says:

      Guten Tag!

      Vielen Dank für ihren Kommentar auf meiner Website. Trotz meines Eindrucks, dass Sie vor allem eine persönliche Frage haben, antworte ich auf diesem Weg, weil darin ja eine Frage von allgemeinem Wert steckt.
      Das meiste, was Sie fragen, steht in unserem Buch „High sein. Ein Aufklärungsbuch“ – obwohl es dort gar nicht spezifisch um Psychedelika geht. Sie finden dort aber Erläuterungen zur Gestaltung von „Trip-Settings“.

      Nun zu ihren konkreten Fragen:

      1. Niemand muss Psychedelika ausprobieren – sie können die Blotter, von denen Sie sprechen ja auch verschenken oder vergraben. Man muss nicht alles ausprobieren. Das vorausgeschickt. Das Folgende unter der Voraussetzung, dass Sie wild entschlossen sind.
      Sie sind vermutlich bereit, wenn Sie wissen, wozu Sie das machen wollen (Absichtsklärung) und vor allem wenn Sie bereits sind sich mit den möglichen Schattenseiten ihrer Persönlichkeit auseinanderzusetzen, also sich den schwierigen Trip-Erlebnissen gleichermaßen zu stellen, wie den guten.

      2. Das ist auch schon die Antwort auf Frage 2: die meisten LSD-Erfahrungen laufen ohne dramatische „Einbrüche“ und Ereignisse ab. Man kann es aber eben nie genau sagen.
      Wenn Sie’s nur „angenehm“ haben wollen, trinken Sie eine Saftschorle und lassen sich die Füße massieren. Ansonsten gelten die Regen für Trip-Settings: ungestörte, ästhetisch ansprechende Umgebung, eine vorbereitete Musikliste, eine erfahrene Begleitperson, Abschirmen vor unerwarteten Besuchen usw.

      3. Da ist wieder wie in Punkt 1 zu sagen: „ihre Psyche“ kenne ich nicht (und sie auch nur teilweise). Das Faszinierende an Psychedelika ist ja, dass sie Katalysatoren unbewusster Prozesse sind – je höher die Dosierung, desto eher. Dosis: Jemand der keine psychedelische Erfahrung und keine erfahrenen Begleiter (wie Jenke von Wilmsdorf) neben sich hat, sollte nicht über 100 µg gehen. Stellen Sie sich die Frage: wie gehen Sie (derzeit) sonst in ihrem Leben mit Stressoren um, dann haben Sie eine ungefähre Vorstellung, wie sie auch anspruchsvolle psychedelische Zustände verarbeiten würden.
      Klassische „Halluzinationen“ gibt es selten in psychedelischen Reisen. Eher tagtraumähnliche Zustände, bei denen sich der Reisende darüber klar ist, dass er einen mentalen Prozess erlebt, der von ihm selbst durch Einnahme einer Substanz ausgelöst wurde. Korrekterweise würde man das in psychiatrischer Sprache „Pseudo-Halluzinationen“ nennen. Und das ist nicht krankhaft.

      4. Persönliche Situationen und Gefühlslagen sind entscheidend für den Verlauf eines Trips. Das ist das sogenannte „Set“, die persönliche Ausgangssituation.
      Wenn Sie gerade innerlich aufgewühlt sind, weil jemand ihr Auto niedergebrannt und ihr Arbeitgeber sie gestern gefeuert hat oder wenn ihr Partner sie vor zwei Stunden verlassen hat, ist das nicht die rechte innere Verfassung für ein solches Abenteuer. In solch einem Zustand würden sie ja auch nicht auf eine anspruchsvolle Bergbesteigung aufbrechen, oder? Etwas Aufregung und ängstliche Erwartungsspannung hingegen schadet wohl nicht.

      Schließlich ihre Fragen zum „Hängenbleiben“. Das ist ein umgangssprachlicher Ausdruck für eine nicht verarbeitete psychedelische Erfahrung. Das tritt besonders häufig ein, wenn Set-und-Setting nicht stimmen oder die Dosis höher war als für das gewählte Setting klug. Wer psychiatrische Medikamente einnimmt oder in der Vergangenheit psychotische Erlebnisse hatte tut gut daran, die Empfehlung mit der Saftschorle umzusetzen. Unbedingt.

      Wie zeigt sich das Hängenbleiben?
      – psychotische Symptome wie Störungen der (Selbst-)Wahrnehmung, des Denkens und Fühlens
      – andauernde Paranoia
      – das Gefühl bleibender Entfremdung vom eigenen Körper und Selbst
      – echte Halluzinationen und/oder andauernde Wahrnehmungsveränderungen (HPPD)

      Dann gilt es einen guten Psychiater und/oder Psychotherapeuten aufzusuchen. Das hat ihr Freund doch sicher getan?? Am besten jemand, der sich mit dem psychedelischen Erfahrungsraum auskennt.
      Es gibt neben Pharmakotherapie auch sehr gute psychotherapeutische Ansätze, um mit schiefgegangenen Trips umzugehen. Entscheidend ist es, schnell Unterstützung zu suchen, damit hier nichts chronifiziert.

      Fazit: es gibt so etwas wie einen risikofreien „Trip“ nicht. Beim Bergsteigen kann man ausrutschen und abstürzen. Man das Risiko aber hinreichend vermindern. Ich persönlich würde mir wünschen, dass Erwachsene, die fest entschlossen sind, eine psychedelische Erfahrung zu machen, das legal und unter Anleitung von Experten tun können. Es handelt sich ja um viele Millionen Menschen weltweit.
      Und: es gibt Alternativen, um die eigene Reaktionsweise auf den psychedelischen Raum zu testen. Siehe unseren eigenen Trance Workshop oder ähnliche Seminare.
      Zum Schluss noch eines meiner Lieblingszitate:

      Wo aber Gefahr ist, wächst
      Das Rettende auch.

      Friedrich Hölderlin, Patmos

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  14. Marc Konk
    Marc Konk says:

    Sehr geehrter Herr Dr. Jungaberle,

    ich frage mich die ganze Zeit, in dem diesem sehr emotionalen Moment wo Jenke von Willmsdorfs Sie als seinen Sohn verkennt. War das eine Art Moment der substanzinduzierten Psychose (wenn auch nur für einen kurzen Moment von 2 Minuten)

    Wenn niemand als ihm wohlgesonnener „Tripsitter“ eingreifen und evtl. sogar noch verstärken auch wenn ironisch gemeint oder ähnliches – könnte so etwas bei sensiblen Menschen dann dazuführen das man „hängen geblieben“ könnte?

    Ich frage mich die ganze ob er in dem Moment eine Art spirituelle Erfahrung hatte – oder gedacht hat, dass Sie evtl. im früheren Leben mal sein Sohn waren oder sowas in der Art. Oder ist es einfach wirklich eine Verkennung oder das er selbst einfach etwas da rein projeziert. Ich musste dabei immer an den Film Hinter dem Horizont denken, vielleicht tat er das auch in dem Moment?

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    • Dr. Henrik Jungaberle
      Dr. Henrik Jungaberle says:

      Hallo,
      interessante Überlegungen. Man spricht bei solchen Momenten sicher nicht von „substanzinduzierter Psychose“, vielleicht würden einige Psychiater von vorübergehendem psychotischem Erleben sprechen, aber macht es Sinn, das psychiatrisch zu diagnostizieren, wenn hier kein andauerndes Leiden und keine Krankheit vorliegt? Ich meine: nein. Der beschriebene Moment von „Verkennung“ ist aufschlussreich und interessant, genauso wie die kurze paranoide Phase etwas später. Eigentlich ein guter Lehrfilm :-). Ich habe in der im Film gezeigten Situationen einen Moment gebraucht, bis ich mich auf Jenkes Wellenlänge eingestellt hatte, war dann aber in subjektiv gutem Kontakt mit ihm. Ich hätte durch abfällige oder gefühlskalte Bemerkungen die Situation sicher verschlechtern können; einfaches Mitfühlen und die verbale Klärung hat es in diesem Fall schnell gelöst. Ein einziger solcher Moment in einem ansonsten tiefenentspannten „Trip“ löst wohl kein „Hängenbleiben“ aus (siehe meine Bemerkungen oben). Eine Reihe solcher Momente ohne Auflösung kann zu einem schwierigen Trip führen, der dann solche „Symptome“ auslöst. Warum genau der eine mit psychotischen Reaktionen reagiert und andere die stärksten Dosen und schwierigsten Erlebnisse „wegstecken“ kann, lässt sich im Einzelfall schwer sagen. Es scheint eine genetische Komponente zu geben. Allgemeine Stressverarbeitung spielt auch eine Rolle. Meist lösen sich Nachhall-Phänomene nach einem Trip von selber auf.
      Zur spirituellen Erfahrung (wir müssten an anderer Stelle noch mal genauer „definieren“, was mit „spirituell“ gemeint ist): ich habe leider versäumt, ihn noch einmal tiefer zu diesem Moment zu interviewen, es wäre spannend gewesen, ja. Ich kann mir gut vorstellen, dass solche Assoziationsketten wie sie sie oben nennen eine Rolle spielen. Das ist typisch für psychedelisches Erleben: wo lange Zeiträume in Momente zusammenschnurren können oder das Überindividuelle (das „Menschliche“) in der Wahrnehmung einer Person hervortritt.
      Ich frage Jenke, wenn ich ihn wiedersehe nach diesem Moment. Er hat diesen im Voiceover bereits verfremdet, aber vielleicht hat er noch eine genauere Erinnerung.

      P.S.: Hier eine Liste der ICD-10-Klassifikationskriterien zu Halluzinogenen (so werden psychiatrische Diagnosen vergeben):

      F16.0 Psychische und Verhaltensstörungen durch Halluzinogene : Akute Intoxikation [akuter Rausch]
      F16.1 Psychische und Verhaltensstörungen durch Halluzinogene : Schädlicher Gebrauch
      F16.2 Psychische und Verhaltensstörungen durch Halluzinogene : Abhängigkeitssyndrom
      F16.3 Psychische und Verhaltensstörungen durch Halluzinogene : Entzugssyndrom
      F16.4 Psychische und Verhaltensstörungen durch Halluzinogene : Entzugssyndrom mit Delir
      F16.5 Psychische und Verhaltensstörungen durch Halluzinogene : Psychotische Störung
      F16.6 Psychische und Verhaltensstörungen durch Halluzinogene : Amnestisches Syndrom
      F16.7 Psychische und Verhaltensstörungen durch Halluzinogene : Restzustand und verzögert auftretende psychotische Störung

      Das letzte kommt dem umgangssprachlichen „Hängenbleiben“ am nächsten. Genauso wie bei der HPPD („Hallucinogenic Persistent Perception Disorder“) weiß man noch nichts Genaues über deren Häufigkeit. Sie kann nicht hoch sein, wenn man Studien wie die von Krebs und Johansen zugrundelegt.

      Referenzen

      Teri S. Krebs, Pål-Ørjan Johansen, Lin Lu: Psychedelics and Mental Health: A Population Study. In: PLoS ONE. 8, 2013, S. e63972, doi:10.1371/journal.pone.0063972.

      Hermle L, Ruchsow M, Täschner KL (2015) Halluzinogen-induzierte Persistierende Wahrnehmungsstörung (HPPD ) und Flashback-Phänomene – Differenzial- diagnose und Erklärungsmodelle. Fortschr Neurol Psychiatr 2015; 83:506–515.

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  15. Zauberpilz Blogger
    Zauberpilz Blogger says:

    Lieber Herr Jungaberle,

    Haben Sie vielen lieben Dank für diese Richtigstellung des RTL Beitrags. Was man von solch einem Privatsender zu erwarten hat, kann man sich ja denken. Leider wurde auch ihre Expertise dadurch teilweise unterminiert und das tut mir für Sie leid – beweisen Sie doch mit diesem Blogpost genau das Gegenteil. Die scheinheilige Stellungnahme von RTL spricht in übrigens, für jeden ist völlig erkennbar, dass es ihnen nur um Quote gehen und um die Verteufelung jedweder Substanz.

    Im Übrigen noch einmal herzlichen Dank vor allem für die tabellarische Übersicht der gefährlichsten Drogen, worin mein Eindruck bestätigt wird, dass gerade Alkohol die schlimmste Droge ist nach Einbeziehung aller Umstände.

    Lassen Sie sich nicht verbiegen und gehen Sie weiterhin den eingeschlagenen Weg, er ist der richtige!

    Antworten
    • Dr. Henrik Jungaberle
      Dr. Henrik Jungaberle says:

      Hallo,
      Danke für die Bemerkungen. Es ist ganz in Ordnung, dass diese Prozesse innerhalb und mit RTL ans Licht kommen. Ich bin ganz zufrieden mit dem Prozess (nicht mit der filmischen Darstellung). Und wir sind auf dem Weg, die mediale und filmische Darstellung von psychoaktiven Substanzen zu verbessern.

      Antworten
  16. Katrin M.
    Katrin M. says:

    Hallo,
    Mmmhhh?!?!?Ich frage mich was passiert wäre wenn das „schlimme“ RTL gezeigt hätte wie „toll“ doch so ein LSD-Trip eigentlich ist????Vermutlich wäre jeder 3. losgelaufen um sich was zu besorgen und dann????Warum sollte RTL es schönreden und somit in Kauf nehmen was danach passiert/passieren könnte/passieren wird?!?!Und natürlich geht es größtenteils um Einschaltquoten das ist doch sowie von vollkommen klar, jedem Geschäft geht es doch auch um dem Umsatz oder sehe ich das falsch?
    Bin absolut kein großer Fernsehfan aber dieses Jenke-Experiment wollte ich schauen weil diese ganze Sache immer schlimmer wird,egal welche „Droge“ (darunter und weit vorn natürlich auch der Alkohol) und diese Sache mit den abhängigen Neugeborenen ist definitiv ein immer schlimmer werdendes Thema welches ich leider immer öfter zu sehen bekomme!
    Nichts für ungut und jedem seine Meinung.

    Antworten
    • Dr. Henrik Jungaberle
      Dr. Henrik Jungaberle says:

      Nicht ganz meine Perspektive, Katrin M., aber Danke für den Beitrag.
      Zwischen den Schubladen „Drogen sind gut“ und „Drogen sind schlecht“ liegt die ganze Wirklichkeit.

      In Deutschland wird zu viel Alkohol getrunken. In Deutschland wird heute weniger Alkohol getrunken als Anfang der 1970er Jahre.

      Mit Zahlen muss man etwas machen, an und für sich sagen sie wenig aus.

      Antworten
  17. gloria
    gloria says:

    äußerst schade, dass sich bei dem LSD Experiment alles nur um das „äußerliche“ gedreht hat. Jenke ist leider nicht dazu gekommen, uns seine innere Reise zu schildern. das Gefühl, das alles was man zuvor wusste/beigebracht bekam, zerfällt und man es selbst neu wieder zusammen setzen muss. Die tiefen Einsichten bzgl Natur, Musik oder Beziehungen, das alles ging neben Paranoia und „Bad Trip“ verloren. ich habe mir das Experiment mit meiner Mutter abgeschaut, in der Hoffnung ein wenig mehr Toleranz ihrerseits bzgl psychoaktiver Substanzen zu erzielen, was leider nicht eingetroffen ist, da wie wir schon alle festgestellt haben, es wieder nur ein Bericht war, der uns allen sagen will „Kinder, lasst die Finger von Drogen.“ ich bin enttäuscht, dass wir in einer „so offenen und modernen“ Welt leben sollen, darin aber keinen Platz für ein bisschen mehr Toleranz gegenüber psychoaktiver Substanzen aufbringen können und keiner deren wahnsinnig tiefgründigen Effekt wirklich zum Vorschein bringt. Ich würde mir ein weiteres Experiment wünschen, in dem weniger der Rausch dargestellt wird, sondern viel mehr auf die innere Reise, die auswirkungen, die neuen Einsichten eingegangen wird und in dem die Testperson auch nicu nach dem Experiment begleitet wird, damit man auch einen Einblick auf die Integrierung der neuen Ansichten in die Realität erhält (sofern die Testperson dem gegenüber offen ist und daran glaubt, dass man mit LSD ganz wundervolle neue Erkenntnisse über sich und das Weltbild erhalten kann).
    falls sie das lesen sollten, würde ich mich freuen, wenn wir persönlich Kontakt aufnehmen könnten, da ich sehr an ihrer Arbeit interessiert bin und mich gerne (sofern ich kann) implizieren würde.

    Antworten
    • Dr. Henrik Jungaberle
      Dr. Henrik Jungaberle says:

      Ja, natürlich: die Fixierung auf „das Äußere“ zusammen mit einer undifferenzierten Darstellung der Gefahren von Drogen macht das Jenke-Experiment zu einem Fehlschlag.
      Man muss an Experimente Maßstäbe ansetzen und dann deren Ergebnis beurteilen. Sonst wäre es ja nur eine duselige oder aussagelose private Erfahrung.
      Mögliche Kriterien sind beispielsweise
      1. Unterschiede zwischen den in der Sendung gezeigten psychoaktiven Substanzen aufzeigen
      2. Einen öffentlichen Dialog über deren Stellung in der Gesellschaft initiieren
      3. Die Bedeutung von Set-und-Setting für die Wirkung der Drogen darstellen
      4. Die Wichtigkeit von Konsummustern (wie häufig, welche Dosis, zu welchen Gelegenheiten) vermitteln
      5. Harm Reduction Informationen geben
      6. Benefit Maximation Informationen geben
      7. Über therapeutische Wirkungen berichten
      8. Über die Behandlung des falschen Gebrauchs dieser Substanzen berichten

      Hier hat die Jenke-Sendung genau 0:8 Tore geschossen.

      Antworten
  18. J.S.
    J.S. says:

    Lieber Herr Jungaberle,
    in meinem bisher doch recht kurzen Leben (19 Jahre) konnte ich schon einige Erfahrungen mit halluzinogenen und psychedelischen Substanzen, wie etwa MDMA und Magic Mushrooms/Trüffeln, sammeln. Meiner Meinung nach wird in der RTL-Sendung nicht nur zu wenig gezeigt und falsch dargestellt inwieweit Gefühle und (zwischenmenschliche) Kommunikation eine wichtige Rolle bei einer solchen Erfahrung spielen, sondern vorallem welche Dosis ein durchschnittlicher Erstkonsument einnimmt. Am Beispiel der „Ecstasy“-Pille möchte ich gerne meine erste Erfahrung schildern. Wie sie bereits geschrieben haben, wäre der erstmalige Konsum von 250 mg in der Tat ein sehr hoch. Was Jenke jedoch vorallem falsch gemacht ist die Mischung von Speed und Ecstacy bei erstmaligem Konsum und dann direkt immer nachwerfen und dies über ein ganzes Wochenende.Dies führt einmal zu einer veränderten Darstellung der „Kater“-Wirkung (5 Tage sind eine sehr lange Zeit für die aktiv spürbaren Nachwirkungen), und zweitens kann durch den Konsum von Speed der emotionale Teil, der durch das MDMA sehr wahrscheinlich auftreten kann, unterdrückt werden. Da dies jedoch meiner Meinung nach einen besonderen Teil dieser Erfahrung ausmacht und RTL dieses überhaupt nicht zeigt, ist diese journalistische „Arbeit“ mehr eine Zusammenstellung verschiedener positiver und negativer Klischees, jedoch keine realitätsnahe Darstellung der verschiedenen Substanzen.
    Daher möchte ich mich sehr gerne bei ihnen für ihre Aufklärung und die Richtigstellung der Tatsachen bedanken

    Viele Grüße
    S.J.

    Antworten
    • Dr. Henrik Jungaberle
      Dr. Henrik Jungaberle says:

      Danke für den Kommentar. Ich meine: der Unwille und die Unfähigkeit den Einfluss von Motivation, Persönlichkeit, Setting, Substanz und Dosis auf eine solche Erfahrung darzustellen ist fahrlässig.

      Antworten

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