Blogpost-Illustration von Dr. Henrik Jungaberle

method #1: Wortwahl | Gib deinem Buch einen ordentlichen Namen!

Ich wurde kürzlich im Rahmen eines Interview gefragt, wie wir den Titel unseres neuen Sachbuches „High Sein“ denn meinten. Die Journalistin hegte offensichtlich den Verdacht, dieser sei die unverblümte Aufforderung, sich jene Drogen einzuverleiben, von denen in dem Buch aufklärerisch die Rede ist. Eine ernstlich interessante Vorstellung. Ich führte sie im Geiste gleich weiter aus und vergegenwärtigte mir den schändlichen Aufforderungscharakter wichtiger Werke der Weltliteratur. Gesundheitlich harmlos, wenn auch für feine Nasen ungebührlich, schien mir Rita Falks Anleitung zu einem „Sauerkrautkoma“. Bedenklicher allerdings – aus demokratietheoretischer Sicht – wirkte auf mich Bassam Tibis Aufforderung zu „Kreuzzug und Djihad“ (gleichzeitig!), auch weil ich mit Karl Kraus „Die letzten Tage der Menschheit“ heraufziehen sah. Empörung löste André Gides Selbstoffenbarung als „Der Falschmünzer“ in mir aus: haben wir nicht alle schon genug Scherereien mit der nimmer enden wollenden Euro-Krise? Dass der gute Heinrich Böll uns mit seinen lustig gemeinten „Ansichten eines Clowns“ davon ablenken will, dass gewissenlose Autorinnen wie Ramona Ambs uns „Die radioaktive Marmelade meiner Großmutter“ verpassen wollen, scheint mir einen Aufschrei der Anständigen wert. Die königliche Anordnung zur Einführung der Unterrichtspflicht in Preußen aus dem Jahre 1717 wirkt angesichts der Entdeckung einer „Analphabetin, die rechnen konnte“ durch Jonas Jonasson noch einmal überdenkenswert. Vielleicht entziehen wir uns dann der leidigen Bildungsdebatten und den reformatorischen Aufrufen zur Entwicklung unseres „WeQ“? Aber am wichtigsten ist mir – karrieremäßig, und ich spreche hier nur für mich selbst – Erich Kästners Gedanke, eine „Konferenz der Tiere“ einzuberufen, da mir meine letzten wissenschaftlichen Tagungen doch arg von alltagsfernem Theoretisieren geprägt schienen. Obwohl – ich hatte nicht mal Heinrich Manns rührigen „Professor Unrat“ eingeladen. Nun. Nicht nur in der Pädagogik ist es wichtig, seinem Baby einen passenden Namen zu geben.

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