Unaufgeregt, fundiert

Verschwindend wenige Menschen führen ein Leben ganz ohne Drogen – wenn auch nicht in sämtlichen Kulturen harte Substanzen zum Alltag dazugehören, wie in Korea und China, wo man ya’aba konsumiert, fast ganz reines Methamphetamin. Gleichwohl handelt es sich auch bei Koffein um eine Droge. Man kann solche Binsenweisheiten in einer Welt des frappierend schizophrenen Umgangs mit Drogen gar nicht oft  genug wiederholen. Gerade Alkohol ist, was seine psychischen und physischen Schäden anbelangt, die schädlichste aller Drogen. Es folgen Heroin, Crack, Methamphetamin, Kokain und Tabak. Relevantes Wissen dieser Art präsentieren „Spiegel“-Autor Jörg Böckem und der Drogen- und Präventionsforscher Henrik Jungaberle in „High sein“ zuhauf.
„Die Idee“, sagt der frühere Heroin-Junkie Böckem, „war, ein Aufklärungsbuch zum Thema Drogen zu schreiben, das die Leser umfassend und verständlich über Drogen aller Art informiert.

Vorurteilsfrei und ohne Drogen zu verteufeln oder zu glorifizieren und den Lesern so die Möglichkeit
zu geben, sich selbst eine Meinung zu bilden und eine fundierte Entscheidung treffen zu können.“
Es ist ihnen trefflich gelungen. Von der biochemischen Wirkungsweise, von „vernünftigen“ und definitiv unvernünftigen Umgangsweisen mit Drogen bis zum Totalabsturz und was dann zu tun ist, handelt das
Buch. Gefahrenpotenziale werden plausibel erläutert, plastische Erfahrungsberichte junger Menschen, anschauliche Grafiken und aussagekräftige Bilder runden die Aufklärung ab. Fundierter, unaufgeregter und gegenwärtiger als in „High sein“ geht es kaum.

MICHAEL SAAGER für die Hessische/Niedersächsische Allgemeine am Samstag, den 11.7.2015